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Persönlichkeitstest als Wunderwaffe

Der Weg vom statischen Persönlichkeitstest zum dynamischen & digitalen Tool

Herkömmliche Persönlichkeitstests werden häufig als Wunderwaffe verkauft. Ihre Vorteile werden hochgepriesen, die Einsatzgebiete sind weit gestreut: Persönlichkeitsentwicklung, Rekrutierung, Teamentwicklung, Führungskräfteförderung uvm. Was sind positive und negative Aspekte von Persönlichkeitstests? Warum funktionieren sie seit Jahrzehnten ohne große Änderungen? Und wie sieht die Zukunft der Persönlichkeitstests aus?
Das heutige Thema befasst sich mit dem Wandel der Persönlichkeitstest vom klassischen Papiertest zum digitalen und dynamischen Tool. Wir zeigen Ihnen, wie wir uns die Persönlichkeitstests der Zukunft vorstellen: dynamisch, reflektierend, individualisiert und digital. Und wir stellen dar, warum Persönlichkeitstests keine Wunderwaffen sind. 

Egal ob die Persönlichkeitstests analog oder bereits digital verfügbar sind, der Ablauf bleibt derselbe. Eine Person gibt in einem Fragebogen seine Einschätzung zu seinem eigenen Verhalten in unterschiedlichen Situationen wieder. Das Ergebnis zeigt entweder eine Reihe von Ausprägungen oder eine Zuordnung zu einem Typus Mensch. Charaktereigenschaften, Neigungen, Vorlieben, etc. werden dabei aus der Verhaltenseinschätzung des Fragebogens abgeleitet. Mit der Interpretation der Ergebnisse durch einen Berater unterstützt dieser dabei, sich selbst besser kennenzulernen. Wenn der Getestete zusätzlich zu Hause über das Ergebnis reflektiert, entsteht ein größeres Verständnis für das eigene Ich.

Die Vorteile von Persönlichkeitstests sind seit Jahrzehnten dieselben

Sprichwörtlich heißt es “never change a running system” und das System Persönlichkeitstest läuft seit Jahrzehnten. Die Vorteile auf einen Blick:

  • seine eigenen Motive, Präferenzen, Charaktereigenschaften oder Vorlieben kennen lernen
  • es wird schnell ein Resultat erreicht
  • das Resultat ist eindeutig – am Ende bekommt der Getestete ein Ergebnis, welcher Typ Mensch und in welche Kategorie er eingeteilt werden kann
  • durch die Vergleichsmöglichkeit von Menschen-Typen entsteht eine Kommunikationsbasis und eine Vergleichbarkeit zu anderen Menschen (z.B. Team- oder Familienmitglieder)
  • meist wissenschaftliche Validität der Persönlichkeitstests 

Verschiedene Persönlichkeitstests im Vergleich finden Sie unter: https://intrinsify.de/persoenlichkeitstest-vergleich/

Die Einsatzmöglichkeiten von Persönlichkeitstests sind vielseitig. Keine Frage, sie haben vorwiegend ihre Berechtigung im Rekrutieren und in der Personalentwicklung.

Wir haben dennoch ein paar Gedanken, warum es sich lohnt, das herkömmliche System der Persönlichkeitstests neu zu denken. Und wir haben ein paar Anregungen, wie Persönlichkeitstests vielleicht doch zur Wunderwaffe werden.

 

Persönlichkeitstest der Zukunft 

Reflektieren statt testen

Sobald ein “Getesteter” -z.B. ein Bewerber bemerkt, dass er einem Persönlichkeitstest ausgesetzt ist, passt er sein Verhalten an die Situation an. Er oder sie macht den Test dann nicht mehr für sich, sondern für den Arbeitgeber, die Führungskraft, den Lehrer, etc. Das ist ein generelles Problem von vielen Persönlichkeitstests. Häufig werden die Fragen kontextabhängig beantwortet, was berechtigten Zweifel an ihrer Validität zulässt. Anders verhält es sich beim Reflektieren. Durch eine “echte” Innenschau und auch das Feedback von Außen können Persönlichkeitsmerkmale,  Stärken und Talente nicht nur erkannt, sondern gleichzeitig aktiviert und nutzbar gemacht werden.

Fremdsicht einholen

Oft haben wir sogenannte blinde Flecken, also jene Teile des Selbst, die nicht wahrgenommen werden können. Hier hilft uns Feedback von Außen. Andere sehen Dinge, die uns selbst nicht bewusst sind. Zusätzlich kann die Fremdsicht einen sehr positiven Beitrag zur Stärkung des Selbstbewusstseins liefern. Wenn wir wertschätzendes, stärkenorientiertes Feedback bekommen, löst das positive Emotionen aus und stärkt das Selbstvertrauen. Das wiederum brauchen wir, damit wir uns trauen Talente auch einzusetzen. Schon Marianne Williamson hat in ihrem Buch “A return to love” (“Rückkehr zur Liebe”) geschrieben: ”Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit”. Positives Feedback nimmt uns die Angst vorm eigenen Licht. 

Von der Momentaufnahme zur Prozessbegleitung

Die Klarheit der Persönlichkeitstests steht im Gegensatz zur Realität, die von Grauzonen gespickt ist. Herkömmliche Diagnosen sind immer eine Momentaufnahme. Zwar gibt es gewisse Muster, die sich wenig ändern, aber sie verändern sich. Dynamische Ansätze, die ganzheitlich auf den Menschen abgestimmt sind und mehr als eine Momentaufnahme darstellen, sind nötig. Ein Prozess des regelmäßigen Reflektierens ist dabei der Weg zu den Ergebnissen. Mit jeder neuen Reflexion bzw. Perspektive verändern sich die Ergebnisse und werden detaillierter. Je mehr Reflexionsprozesse umgesetzt werden, desto ganzheitlicher und klarer entsteht das Bild zur eigenen Persönlichkeit.

Kategorisieren vs. individualisieren

Die Ergebnisse der verschiedenen Persönlichkeitstests können leicht missinterpretiert werden als „So bin ich“. Doch jedes Modell ist eben nur ein Versuch die Wirklichkeit vereinfacht abzubilden. Man kann zwar etwas über sich lernen, sollte sich durch die gewonnene Perspektive aber nie reduziert oder festgelegt fühlen. Das Gleiche gilt für den Umgang mit den Ergebnissen anderer. 

Menschen sind einzigartig und lassen sich nicht auf einen Typen reduzieren. In einer Welt in der das Bedürfnis nach Selbstentfaltung eine wachsende Rolle spielt, steht diese Einzigartigkeit der Menschen im Mittelpunkt. Ein offener, reflektiver Ansatz gibt Freiraum über kategorisches Denken hinauszuwachsen und die Stärken individuell zu betrachten. Es entwickelt sich ein Bewusstsein über den Einsatz der persönlichen Kompetenzen in unterschiedlichen Situationen. Das individuelle Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Leistung wächst und baut ein positiveres und stärkeres Selbstbild auf. Der Prozess des Reflektierens eröffnet eine neue Welt der Kommunikation, Dynamik und Individualität. 

Digital statt analog

Die Welt ist digital und das schon lange. Warum also nicht auch Reflexionsprozesse dem Trend der Zeit anpassen? Mit digitalen Tools und Plattformen können die Prozesse orts- und zeitunabhängig umgesetzt werden. Diese bieten dem Anwender einerseits die Freiheit die Reflexionsprozesse unabhängig vom Berater durchzuführen (Ohne einen kompetenten Berater oder Coach können bei den meisten Persönlichkeitsprofilen die Ergebnisse der Diagnose nicht wirklich interpretiert werden). Der Berater wiederum bestimmt selbst, zu welchem Zeitpunkt er Impulse an den Anwender weitergibt. Die Freiheit der Selbstbestimmung ist für alle gegeben.
Die Digitalisierung schafft auch hier, was sie schaffen soll. Nämlich Prozesse effizienter und auch preiswerter zu machen, damit mehr Menschen davon profitieren können.

 

Fazit 

Persönlichkeitstests überzeugen mit Schnelligkeit und Einfachheit der Durchführung. Auf der anderen Seite wird nur eine Momentaufnahme der Persönlichkeit dargestellt und es besteht die Gefahr des Schubladendenkens, bei dem Menschen in einem bestimmten Persönlichkeitstypus zugeordnet werden. Persönlichkeitstests sind demnach keine Wunderwaffe. Grundsätzlich sollte man bedenken, dass sie nur einen Ausschnitt der Persönlichkeit darstellen können und ihr Nutzen sehr stark von der individuellen Situation des Anwenders abhängig ist.
Die Reflexionsprozesse sollten eine wesentliche Rolle im Vorfeld spielen. Wir sehen die Reflexionsfähigkeit als Grundkompetenz, die hilft, Persönlichkeitstests “besser” zu beantworten.

Wenn Sie sich für die Persönlichkeitstests der Zukunft rüsten wollen, lernen Sie im ersten Schritt zu reflektieren und holen Sie sich Feedback von Ihrem Umfeld ein. Nutzen Sie das Ergebnis von herkömmliche Persönlichkeitstests als einen Input von vielen und reflektieren Sie, was Sie ganz persönlich von dem Ergebnis halten.
Es wird damit Dynamik, Individualität und Kommunikation mit sich selbst und anderen gefördert. Lassen Sie sich auf den Prozess des Reflektierens ein, denn die Persönlichkeit eines Menschen ist mehr als eine Momentaufnahme!

 

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