Es muss einem von Anfang an klar sein, was man erreichen will und wo man hin will.

Helmut Wittmann Märchenerzähler Portrait

Es ist etwas zutiefst Menschliches, dass man das lebt wozu man da ist.

Warum der Traumberuf (k)ein Märchen ist...

Helmut Wittmann, Märchenerzähler

Für ihn ist das Märchenerzählen derzeit das Gelbe vom Ei. „Derzeit“ betont Helmut Wittmann, der sein Leben den heimischen Volksmärchen verschrieben hat, „denn man muss sich immer offen lassen was kommt. Man weiß ja nie…“ Und doch ist es bei unserer Begegnung in seinem urigen Häuschen im Almtal von Anfang klar, dass er genau weiß was er will und dass er das was er macht nicht nur irrsinnig gern macht, sondern dabei auch völlig authentisch, tiefsinnig, humorvoll und aufgeschlossen ist. Alles Eigenschaften, die ihn – so wie wir ihn kennengelernt haben – auch in seinem Beruf ausmachen.

 

„Es muss einem von Anfang an klar sein, was man erreichen will und wo man hin will,“ ist sich Helmut Wittman sicher. Deshalb ist seine Antwort nicht verwunderlich, wenn ihn Menschen auf seine erfolgreiche Laufbahn mit folgendem Satz ansprechen: „Gell, das hättest du dir früher auch nicht gedacht, dass das alles einmal so wird.“ „Doch! Denn wenn ich mir das nicht gedacht hätte,  hätte ich am besten gar nicht angefangen!“

 

Zum Märchenerzählen gehört viel mehr

Als er damals 1987 eines Morgens aufwachte und so wie er sagt einfach gewusst hat, dass er das Märchenerzählen zu seinem Beruf machen möchte, wollte er genau das machen von dem er sagen kann: „das ist es, wo mein Herzblut drinnen steckt.“ Und doch sieht er nicht das Märchenerzählen an sich als sein Talent an. „Natürlich ist es die Grundvoraussetzung so erzählen zu können, dass die Menschen gern zuhören und dass man ein Gespür für die Leute und die zu ihnen passenden Inhalte mitbringt. Doch wenn du davon leben willst, bist du voll und ganz gefordert. Da braucht es den Helmut Wittmann als Produktmanager, Texter, Vermarkter, Organisator, Unternehmer uvm.“ Dafür hat ihm nicht zuletzt seine lange Marketingerfahrung bei der Grünen Erde und dem Quelle Versand das Handwerkzeug mitgegeben.

 

Die wirkliche Leidenschaft fürs Märchenerzählen hat bei ihm ganz andere Wurzeln. Hier erinnert sich Helmut Wittman vor allem an seine Adoptivmutter, die den Kindern vom Dorf beim Spazierengehen immer eindrucksvoll erzählt hat. „Es war begeisternd wie sie uns die Geschichten näher gebracht hat.“  Außerdem wurde dieser gute Nährboden von der Erzählweise der Sufitradition inspiriert, die ihn seit seinem 23. Lebensjahr begeistert. „In dieser werden kurze, pfiffige Geschichten dargebracht, die Wissen und menschliche Erfahrungen sehr direkt vermitteln und anregen.“

 

„Wertvoller Stoff“ fürs eigene Leben

Diese Faszination blitzt auch bei der Antwort auf die Frage was das Schönste an seinem Beruf sei, eindeutig durch: „Ich kann mit dem Geschichten erzählen einen so unheimlich wertvollen Stoff weitergeben, aus dem die Leute etwas machen und sich Impulse für das eigene Leben herausziehen können.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Und das Schöne ist, dass ich mir selbst auch zuhöre und so natürlich auch gescheiter werde.“

 

Märchen laden den Zuhörer durch das unverbindliche Miterleben ein, bestimmte Lebenssituation spielerisch durchzugehen und dabei zu entdecken wer man eigentlich ist und welches Potenzial in einem schlummert. Man sieht wie der Held der Geschichte vor Herausforderungen steht, die unbewältigbar scheinen und er sie am Ende doch meistert. Märchen halten dem Leben den Spiegel vor und vermitteln doch die klare Botschaft: „Das Leben kann zwar hart sein, wenn ich jedoch meinen eigenen Weg gehe, werde ich es  schaffen!“

 

So hat es Wittmann auf seinem eigenen Weg auch immer gehalten: mit klaren Absichten und Richtlinien unbeirrt seinen Weg gehen und immer Freude daran zu haben. Ich habe immer versucht eine Prämisse einzuhalten: „Ich muss zu jedem Erzähltermin mit Freude hinfahren. Denn nur wenn dir etwas Spaß macht, bist du auch bereit, dich voll und ganz reinzuhängen. Und nur wenn du dich mit vollem Hurra einlässt, kann daraus etwas wirklich Gutes werden.“

 

Genau das versucht er mit seiner Frau Ursula auch den gemeinsamen vier Kindern mit auf den Weg zu geben: „Egal was ihr beruflich macht, findet das woran euch was liegt, dann habt ihr grundsätzlich ein glückliches Leben.“ „Denn selbst wenn du einen Job hast in dem du gut verdienst kostet es dich viel Geld wenn er dir keinen Spaß macht, weil du dich ständig belohnen musst – mit einem schönen neuen Auto, einem erholsamen Urlaub etc.“